Der einsame Wellensittich

Der einsame Wellensittich

Die Wellensittiche, welche ursprünglich aus Australien kommen, sind die am häufigsten gehaltene Ziervogelart in Europa. Es gibt sie in diversen Größen, Farben und Gefiedermerkmalen, welche teilweise nur durch die Zucht entstanden sind. Die Zucht dieser Vögel boomte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund der großen Nachfrage für die hübschen Tiere.
Während die Wellensittiche zur damaligen Zeit nicht selten alleine gehalten wurden, gehen heutzutage viele Vogelhalter dazu über, diese Tiere zu zweit oder im Schwarm zu halten. Denn dass die Einzelhaltung eines Wellensittichs für den Vogel problematisch ist, merkte man schon recht früh.
Eine Zeit lang hielt sich das Gerücht, dass ein Spiegel im Käfig des Vogels den fehlenden Artgenossen ersetzten könnte. Danach saß neben dem Wellensittich oft noch ein künstlicher Vogel aus Plastik auf einer Stange im Käfig, um ihm Gesellschaft zu leisten.
Mittlerweile ist aber bekannt, dass weder ein Spiegel, noch ein Plastikvogel den Artgenossen für dieses soziale Tier ersetzen können.
Allerdings sorgen sich viele Vogelhalter, dass ihr Wellensittich niemals zahm werde, wenn sie ihn im Schwarm halten. Außerdem ist oftmals der Platz für einen zweiten Vogel nicht da oder die Besitzer machen sich Sorgen wegen des vermehrten Lärms bei zwei Vögeln. Zuletzt ist es natürlich eine Tatsache, dass zwei Vögel mehr Arbeit machen als nur einer alleine.
Die Wellensittiche aus Einzelhaltung werden in einer Tierarztpraxis dann nicht selten wegen Federrupfen oder ähnlichem Problemverhalten vorgestellt, für das oft keine medizinische Ursache gefunden werden kann. Das Verhalten des Tieres ist viel mehr eine Art Hilferuf oder Verzweiflungstat, da es überhaupt nicht dem Naturell dieser Vögel entspricht, alleine zu leben. In Australien lebten die Wellensittiche im Schwarm und in ihrer Geschichte als beliebte Ziervögel wurde auch bald klar, dass eine Einzelhaltung nicht wirklich artgerecht für diese Tiere ist, weswegen man versuchte den fehlenden Artgenossen zu ersetzen. Heutzutage versuchen die Vogelhalter oftmals selbst, den fehlenden Artgenossen ihres Tieres zu ersetzten und freuen sich, wenn ihr Wellensittich sie putzt oder anders liebkost. Allerdings ist dies für den Wellensittich ebenfalls eine einseitige Art der Kommunikation, da wir Menschen im Gegensatz zu einem Spiegel oder einen Plastikvogel zwar durchaus auf ihr Handeln reagieren, aber auf eine Art und Weise, die diese Vögel nicht verstehen können. Eine solche Situation wird oftmals mit zwei Menschen verglichen, die unterschiedliche Sprachen sprechen und sich deswegen nicht verstehen, allerdings ist dies nicht ganz richtig, da sich zwei Menschen ohne gemeinsame Sprache in Wortform immer noch mit Gestik und Mimik verständigen können. Dies funktioniert zwischen Mensch und Vogel aber nicht.
Natürlich ist es schön, einen zahmen Wellensittich zu haben und es spricht auch absolut nichts dagegen – auch kein Artgenosse. Zwar wird ein Vogel, der mit einem Artgenossen zusammen leben darf, sich nicht intensiv um die “Gefiederpflege” des Menschen kümmern, allerdings sollte man sich als Tierhalter auch vor Augen führen, dass dieser intensive Körperkontakt mit dem Menschen für den Wellensittich genauso ein Problemverhalten wie Federrupfen oder ähnliches darstellt.
Damit ein Wellensittich rund um gesund und glücklich sein kann, ist ein Artgenosse also unabdingbar.